Yatana

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Zwischen Kaffee, Körben und Geschichten

Zu Gast bei Yatana

Manchmal entsteht ein Ort nicht aus einem Plan, sondern aus einer Haltung. Das Yatana war ursprünglich kein Restaurant. Es sollte ein Treffpunkt sein – eine Anlaufstelle für eritreische Einwanderer, ein Ort für Austausch, Unterstützung und gemeinsames Kochen. Ein Stück Heimat im neuen Alltag.

Dann kam alles anders. Gäste bestellten sich quer durch die Karte, ein Zeitungsartikel brachte Aufmerksamkeit, plötzlich standen Menschen Schlange. Aus dem Infopoint wurde ein Restaurant. Nicht, weil es so geplant war – sondern weil es gebraucht wurde.

Heute empfängt Merhawit Tesfaldet, die sich Mary nennt. Und mit ihr betritt man einen Raum, in dem sofort etwas aufgeht. Sie kocht selbst, gemeinsam mit ihrer Cousine. Der Laden läuft, getragen von Ruhe, Erfahrung und einer spürbaren Selbstverständlichkeit.

Das Wort Yatana bedeutet Tradition. Und genau darum geht es hier.

Bevor wir essen, waschen wir die Hände. Gegessen wird gemeinsam, mit den Händen, von einem Teller. Grundlage ist Injera – ein weicher, leicht säuerlicher Fladen, täglich frisch gebacken aus Sauerteig, Buchweizen und Hirse. Er ist Speise und Besteck zugleich. Man reißt Stücke ab, nimmt damit die Gerichte auf und teilt sie.

Was auf den Tisch kommt, hat Mary für uns ausgewählt – so, wie sie auch für Freunde kochen würde. Eine Auswahl eritreischer und äthiopischer Speisen, angerichtet in bunten Körben, die den Tisch zu einem gemeinsamen Ort machen. Die Aromen sind tief, würzig, unverstellt. Gewürze, die zweimal im Jahr frisch importiert werden, geben ihnen ihre Intensität.

Zum Abschluss wird es stiller. Grüner Kaffee wird vor unseren Augen geröstet. Der Duft füllt den Raum – warm, intensiv, fast feierlich. Der Kaffee gehört hier zum Ritual. Und natürlich probieren wir ihn. Trotz des kleinen Zweifels, ob die Nacht danach kurz werden könnte.

Der Raum selbst erzählt weiter. Farben, Muster, Kunst unterschiedlicher Menschen. Nichts wirkt gemacht, alles gewachsen. Ein Ort, der verbindet – durch Essen, durch Geschichten, durch das, was geteilt wird.

Zu Gast bei … ist unser Blick auf die Gastronomie im Quartier: Begegnungen am Tisch, neugierig, respektvoll und offen. Das Yatana zeigt, wie viel Nähe entstehen kann, wenn man bereit ist zu teilen.

Guten Appetit. Und vielleicht bis bald am Tisch.

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